Krankheit aus klassisch homöopathischer Sicht

In der Werbung hören wir immer wieder, dass Krankheiten bekämpft werden müssen.
Die Krankheit ist das Übel, das mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln ausgeräumt wird.

Aber ist es wirklich so, dass die Gesundheit wieder hergestellt ist, wenn die Krankheit verschwindet ?
Oder wird die Krankheit in ihrer Ausdrucksform nur eine gewisse Zeit abgewürgt, um dann in etwas abgewandelter Form wieder zu erscheinen ?

Gerade bei unseren Hunden bessern Medikamente oft nur kurzzeitig den krankhaften Zustand.
Wenn die Medikamentenwirkung nachlässt, tritt das alte Leiden wieder auf.
Es hat also keinerlei Heilung stattgefunden, weil entweder die beschwerdefreie Zeit für den Organismus zu kurz war sich selbst zu heilen, oder der Organismus schon so sehr geschwächt ist, dass keine Heilung mehr stattfinden kann.

Durch die giftigen stofflichen Substanzen der schulmedizinischen Medikamente treten neue Erkrankungen (Nebenwirkungen) auf. Diese werden wieder mit anderen Medikamenten bekämpft usw.
So entsteht ein regelrechter Teufelskreis zu Lasten der Gesundheit.

Die Ursache vieler Akut-Krankheiten unserer Hunde sind nicht Viren, Bakterien und/oder Mykobakterien.
Und die schulmedizinische Methode, diese vermeintliche Ursache zu bekämpfen, bringt selten Heilung.

Das Ansiedeln der Erreger ist vielmehr ein Zeichen, dass eine Störung im Organismus vorliegt, die es als solche zu erkennen und zu heilen gilt.
Sobald der Organismus gestört ist, ist das Terrain günstig für Viren, Bakterien und Mykobakterien, und sie siedeln sich an.

Demnach ist es sinnvoll, den Organismus so zu beeinflussen, dass er die Störung aus eigener Kraft überwinden kann und so der Lebensraum für die Erreger unattraktiv wird,.

Diesen Anstoss vermag die klassische Homöopathie zu geben.

Die Homöpathie benutzt feinstoffliche (nebenwirkungsfreie) Arzneimittel, die den Organismus stärken, mit der Störung aus eigener Kraft fertig zu werden, sich also selbst zu heilen.

Anhand der vorliegenden Symptome wählen wir ein homöopathisches Arzneimittel, das diese Symptome bei einem Gesunden provozieren kann.

Wir wählen also ein homöopathisches Arzneimittel, welches die Beschwerden unseres Patienten in einem gesunden Organismus hervorrufen kann.
Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zur schulmedizinischen Therapie.

Dieses nach dem Ähnlichkeitsprinzip ausgewählte Arzneimittel erzeugt nun eine sogenannte Kunstkrankheit im Organismus, die der bestehenden sehr ähnlich ist, aber ein ganz klein wenig stärker als diese.
Dadurch wird der Organismus angeregt, sich mit der Kunstkrankheit auseinanderzusetzen und so gleichzeitig die bestehende Erkrankung zu überwinden, sich also selbst heilen.
Setzt man das homöopathische Mittel ab, verschwindet die Kunstkrankheit.

Man kann es sich vielleicht mit Hilfe der Kampfsportart Aikido vorstellen.
Der Angreifer wird nicht abgewehrt. Sondern der Verteidiger geht vielmehr auf die Bewegung des Angreifers ein, verstärkt sie und lässt den Angriff so an sich vorbeilaufen.

Zum Beispiel wird bei Fieber ein fiebererzeugendes Arzneimittel ausgewählt.
Dieses Mittel muss die Symptome des Patienten bei einem Gesunden hervorrufen können.

Zur Auffindung des individuell passenden homöopathischen Fiebermittels ist es wichtig zu erfahren, ob der Patient Durst hat, ob er müde in der Ecke liegt, ob er schwitzt, ob er kalte Füsse hat, ob er warm zugedeckt sein will usw.
Mit Hilfe dieser Modalitäten (Begleitsymptome) kann man ziemlich genau das Arzneimittel aussuchen, welches dem Fieberzustand unseres Patienten am ähnlichsten ist.

Ein homöopathisches Arzneimittel nimmt Einfluss auf den gesamten Organismus, sowohl auf die körperliche als auch auf die Gemütsebene.

Jeder, der schon mal ein homöopathisches Arzneimittel in der Hand gehabt hat, wird feststellen, dass hinter dem Arzneimittelnamen ein Buchstabe und eine Zahl folgt.
Diese Angabe bezeichnet man als Potenz des Mittels.

Die Potenz des homöopathischen Arzneimittels richtet sich nach der Tiefe der Störung und der Stärke der Lebenskraft.

Mit Hilfe der Potenz kann man das homöopathische Arzneimittel individuell auf den Patienten fein abstimmen.

Was bedeuten nun die Potenzen im Einzelnen ?
D1 ==> 1 Teil Urtinktur + 9 Teile Lösungsmittel zehnmal verschütteln
D2 ==> 1 Teil D1 + 9 Teile Lösungsmittel zehnmal verschütteln = Verdünnung 10 hoch 2
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D30 ==> 1 Teil D29 + 9 Teile Lösungsmittel zehnmal verschütteln = Verdünnung 10 hoch 30

C1 ==> 1 Teil Urtinktur + 99 Teile Lösungsmittel zehnmal verschütteln
C2 ==> 1 Teil C1 + 99 Teile Lösungsmittel zehnmal verschütteln = Verdünnung 100 hoch 2
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C30 ==> 1 Teil C29 + 99 Teile Lösungsmittel zehnmal verschütteln = Verdünnung 100 hoch 30

Auch wenn man homöopatische Mittel als nebenwirkungsfrei bezeichnet, ist von Selbstversuchen dringend abzuraten. Im Ernstfall kann es zu deutlichen Verschlechterungen des Allgemeinzustandes führen, so dass ein erfahrener Homöopath einige, evtl. nicht mehr vorhandene, Zeit braucht, um diesen Schaden zu begrenzen.

Nun kommen wir zum wesentlichen Punkt, nämlich zu dem Begriff Krankheit.

Normalerweise gehen wir mit einem kranken Hund zum Tierarzt.
Der verordnet ein Medikament gegen Erkrankung A.
Die Beschwerden verschwinden, die Behandlung ist erfolgreich.
Wir halten den Hund für gesund, bis zur nächsten Erkrankung B.
Damit gehen wir wieder zum Tierarzt und bekommen nun ein Medikament gegen Krankheit B. Wieder erwarten wir vollständige Heilung.

Beide Erkrankungen stehen vollkommen für sich allein und haben aus schulmedizinischer Sicht keine Beziehung zueinander, werden dementsprechend jede für sich lege artis behandelt.

Die Schulmedizin orientiert sich also an der Krankheit.
Sie ist die Ursache der gestörten Gesundheit.

In der klassischen Homöopathie hingegen interessieren uns viel mehr die Vorgeschichte einer Krankheit und ihre Symptome.
Wir teilen dabei die Symptome nach ihren Ausdrucksformen ein, wie zB Schwäche, überschiessende Reaktionen und (Gewebs-)Zerstörung.

Uns Homöopathen interessiert also, in welcher Form der Organismus reagiert.

Nehmen wir zum Beispiel einen Welpen.
Er ist normalerweise von Geburt her nicht krank, von Erbschäden einmal abgesehen.
Auch mit Würmern kommt sein Organismus gut allein zurecht.
Bei ihm sind Erkrankungen zunächst Reaktionen des Organismus auf Angriffe von aussen. Lebt er in menschl. Obhut, wird er mit ziemlicher Sicherheit zwischen der 8. und 14. Lebenswoche zweimal geimpft und entwurmt. Und dies ist ein ganz massiver Angriff aufs Immunsystem, dem der junge Organismus ausgesetzt wird. Meist bekommt der Kleine Augenausfluss, Durchfall mit oder ohne Erbrechen, Hautjucken, Ohrenabsonderungen oder Absonderungen aus dem Penis.

Diese Symptome treten oft nicht zusammen und nicht unmittelbar danach auf, so dass selbst der besorgteste Besitzer sie nicht mit Impfungen und Wurmbehandlungen in Verbindung bringt. Es sind Entgiftungsversuche, die bestenfalls homöopathisch unterstützt werden sollten, wenn sie länger als eine Woche dauern. Keinesfalls sollte man sie durch schulmedizinische Medikamente stoppen. Der Organismus versucht so lange wie möglich, Giftstoffe über die Haut oder Körperöffnungen auszuscheiden. So hält er die Störung an den äusseren (peripheren) Grenzen des Körpers, der Haut, dem grössten Ausscheidungsorgan.

Werden Ausscheidungen immer wieder unterdrückt, werden die Giftstoffe innerhalb des Körpers entsorgt, wo man sie über kurz oder lang in Form von manifesten und auch irreversiblen Störungen wieder antrifft.

Es ist ein schleichender Prozess, den man kaum bemerkt.

Nehmen wir an, die Ausscheidung wird durch schulmedizinische Behandlung gestoppt.
Was wird passieren ?
Solange die Lebenskraft noch stark genug ist, wird sie sich ein anderes Ausscheidungsorgan suchen, vielleicht den Darm mit Durchfall oder die Bronchien (Lunge) mit Husten und Auswurf, die Blase mit vermehrtem Harnabsatz, die Ohren mit vermehrter Absonderung oder den Penis mit dem berühmten Vorhautkatarrh.

Ist aber die Lebenskraft soweit geschwächt, dass keine Ausscheidung mehr stattfinden kann, kommt es zu Störungen der inneren Organe, wie Leber-, Bauchspeicheldrüsen-, Magen-, Milz-, Blasenstörungen, Knochen- oder auch Herzproblemen.

Erkrankungen sind also nicht einzelne Prozesse, die auftreten, erfolgreich bekämpft werden und verschwinden.
Es sind vielmehr Reaktionen des Organismus auf Eingriffe von aussen.

Wenn die Störung nicht klassisch homöopathisch behandelt wird, zieht sie sich durch das ganze Leben, fängt harmlos an, wird aber von Mal zu Mal gefährlicher, weil die Verteidigungslinien des Organismus mehr und mehr zerstört werden.

Unser Ziel ist Heilung.

Leider ist es nicht möglich, einen schon lange mit schulmedizinischen Medikamenten behandelten Hund sofort und auf der Stelle durch eine klassisch homöopathische Behandlung zu heilen. Es wird eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, die sich nach Dauer und Art der schulmedizinischen Anwendungen und nach der Stärke der Lebenskraft richtet.
Während der Behandlung können frühere Erkrankungen kurzzeitig wieder aufflackern, was als gutes Zeichen zu werten ist. Anhand einer chronologischen Aufstellung aller Krankheiten und Medikationen, Impfungen, Wurm- und Flohbehandlungen kann man die Störung auf ihrem Vormarsch ins Körperinnere gut verfolgen.

Dem erfahrenen Tierhomöopathen gibt die Aufstellung Hinweise auf die Stärke der Lebenskraft, die Dauer des Heilungsprozesses und ob Heilung oder nur Linderung erreicht werden kann.

Ob eine klassisch homöopathische Behandlung erfolgreich sein wird, richtet sich natürlich nach dem Gesundheitszustand des Hundes.
Ist die Lebenskraft zu sehr geschwächt, wird die Behandlung sicher nur schadensbegrenzend sein können.

Die Homöopathie hat natürlich auch ihre Grenzen.

Z.B. kann ein fehlangelegter Harnleiter durch die beste homöopathische Behandlung nicht verlegt werden.
Brüche kann man homöopathisch unterstützen, wenn die Knochenheilung gestört ist. Den Bruch selbst muss jedoch ein Chirurg behandeln.
Bei Gebärmuttervereiterungen oder –entzündungen ist eine homöopathische Behandlung angezeigt. Wenn aber die Gebärmutter kurz vor dem Durchbruch steht, muss operiert werden.
Man muss also genau abwägen, wann eine schulmedizinische Intervention nötig ist.
Je weniger chemische Giftstoffe auf das Tier einwirken, desto grösser ist die Chance, dass es gesund bleibt und manifeste Erscheinungen gar nicht erst auftreten.

Vielleicht noch ein paar Hinweise aus homöopathischer Sicht:

Hunde sollten so natürlich wie möglich ernährt werden.
Das Optimum ist Rohfütterung.

Eine gesunde, natürliche Ernährung ist schliesslich die Basis für ein starkes Immunsystem, bei Mensch und Tier. Sehr vorsichtig sollte man mit Impfungen und Anti-Parasitenmitteln umgehen. In diesen Präparaten sind Giftstoffe enthalten, die bei empfindlichen Hunden schlimmstenfalls anaphylaktische Schocks, Epilepsie und schwere allergische Reaktionen auslösen können. Man muss sich mal vor Augen führen, wie oft wir unseren Hunde derartige Präparate zumuten. Darmparasitenbehandlungen werden prophylaktisch vorgenommen, meist ohne zu prüfen, ob wirklich Darmparasiten vorhanden sind. So schütten wir unsere besten Freunde mit giftiger Chemie regelrecht zu. Manche Hunde zeigen jahrelang keinerlei Reaktionen, bis plötzlich eine schwere Erkrankung auftritt. Andere dümpeln ständig mit kleinen Unpässlichkeiten dahin, die immer wieder schulmedizinisch erfolglos behandelt werden, bis schliesslich manifeste Erkrankungen auftreten.

Das alles kann man sich und dem Hund durch gesunde natürliche Ernährung und homöopathische (nebenwirkungsfreie) Behandlungen ersparen.